Der Heilige Gabriel (Urgebadze)






Die Myronspendende Ikone des heiligen Gabriels














Heiliger Gabriel, Bekenner und Narre in Christo
1929 – 1995
Leben und Taten


Archimandrit Gabrielgeborener Goderdzi Wasiliewitsch Urgebadze, kam am 26. August 1929 in Tiflis zur Welt. Als Säugling wurde Goderdzi in der Kathedrale der heiligen Märtyrerin Barbara, im Bezirk von Nawtlugi, getauft. Goderdzis Patentante war eine ehemalige Schwester der Barmherzigkeit, sie hieß Tamara Begiaschwili. Zu jener Zeit herrschte in Georgien das kommunistische Regime; die Religion als solche wurde verfolgt; die Kirchen wurden zerstört oder geschlossen; die unschuldige Bevölkerung wurde umgebracht oder deportiert. Goderdzi war etwa 2 Jahre alt als sein Vater Wasily Urgebadze unter unbekannten Umständen ermordet wurde. Die Familienmitglieder nannten den Jungen im Gedenken an seinen Vater von nun an Wasiko.

Der kleine Wasiko war seit seiner Kindheit mit dem Segen Gottes beschenkt. Aus kleinen Steinchen baute er winzige Kirchlein, darin zündete er Streichhölzer an. Seine Mutter (später Nonne Anna, begraben neben ihrem Sohn im Hof des Samtavro-Nonnenklosters) hatte Angst, jemand würde diese Hingabe des kleinen Wasiko mitbekommen. Denn nicht auszuschließen war, dass die Familie für eine Erziehung des Kindes, die der kommunistischen Ideologie widerspricht, belangt werden konnte. Wasiko verhielt sich von den jüngsten Jahren an „seltsam“ – so vermied er stets Spiele mit Gleichaltrigen und zog Einsamkeit und Stille vor. Das Kind hatte dennoch eine erstaunliche Lieblingsbeschäftigung: Er nahm einen langen Stock in die Hände und rannte los. Die Vögel um ihn herum landeten auf dem Stock und begleiteten ihn mit ihrem Zwitschern. Diese Szene überraschte alle. Wasiko war auffallend gutherzig. So verbat er zu Hause, Mausefallen zu verwenden – dafür fing er die Mäuse mit einem Käfig und ließ sie außerhalb des Gartens wieder frei. Mit 6 Jahren ging er zur Schule. Mit Leichtigkeit lernte er Lesen, Schreiben und Rechnen. Durch seine herzliche Art wurde ihm allseits Liebe und Zuneigung geschenkt. Den Namen Christi hörte er zum ersten Mal mit 7 Jahren, und das veränderte Wasikos Leben fundamental. Er sparte Geld und kaufte bald das Evangelium, was der Beginn seines neuen Lebens darstellte. Von diesem Tag an war Mönch Gabriel bis zu seinem Tod von dem einzigen Wunsch, dem einzigen Gedanken durchdrungen: Nur für Christus zu leben. Jeden Tag las er sein Evangelium, und nichts Anderes interessierte ihn. Die Hausaufgaben blätterte er schnell durch, um nicht zu viel Zeit mit diesen zu verschwenden. Vor dem Schlafen ging er in sein Zimmer und betete lange vor den Ikonen.

         Ein paar Tage vor seinem Tod erinnerte sich Mönch Gabriel an jene Zeit seiner Kindheit:

         „Ich saß auf dem Balkon im 2. Stock und war in Gedanken versunken. Auf einmal hörte ich eine innere Stimme in mir sagen: „Schaue in den Himmel“. Ich stand auf, ging zur Balkonbrüstung und blickte nach oben. Ich sah ein großes, aufgerichtetes Kreuz. Damals wusste ich es noch nicht – nun weiß ich, dass es mein Kreuz war, welches ich mir aufzuladen und aus der Liebe zu Gott und meinen Nächsten zu tragen hatte“.

         Noch eine Erinnerung von Mönch Gabriel aus derselben Zeit seines Lebens: „Eines Nachts, als ich schlief, wachte ich plötzlich auf und sah vor mir einen Dämon mit einem widerlichen Gesicht. Wütend blickte er auf mich. Durch Gottes Segen hatte ich keine Angst. Ich war zwar angespannt, unternahm jedoch nichts um ihn zu vertreiben. Ich schaute ihn lediglich mit Erstaunen an. Er schrie mich an: „Kämpfst du gegen mich?!“ Und schlug mir mit der Faust auf den Kopf.

         Der kleine Wasiko sah in diesem Vorfall einen Nutzen, was wir in der Erinnerung von Mönch Gabriel selbst sehen können: „Als ich den Dämon sah, verstärkte sich mein Glauben an Christus. Denn ich sagte zu mir selbst: Wenn der Satan existiert, dann existiert Jesus noch weit mehr! Hinzu kommt, oh du Nächster, dass ich die menschliche Schönheit sah und anerkannte.“

      Der 12-jährige Wasiko wurde für seine wahre Liebe und sein tatenvolles Leben von Gott mit göttlichen Fähigkeiten und der Göttlichen Offenbarung beschenkt.

        







         Die Nonne Pelagia (die ehemalige Äbtissin des Gurdschaani- Klosters der Heiligen Gottesmutter), eine Gleichaltrige sowie Nachbarin des Mönchs Gabriel, berichtet: „Eines Sommertages kam mein Onkel nach Hause und sagte laut und für jeden hörbar: „Gott sei Dank, er hat noch seine Auserwählten auf Erden“. Auf die Frage „Was ist passiert, was überraschte Sie so sehr?“ antwortete er: „Ich nahm den Weg von St. Barbara, um nach Hause zu kommen und als ich mich der zerstörten Kathedrale des Heiligen Georg näherte, sah ich Goderdzi, den Sohn von Wasiko. In der Hitze räumte er große Trümmerteile aus der Kathedrale. Er war so mit der Arbeit beschäftigt, dass er mich eine Zeit lang nicht bemerkte. Auch ich sagte kein Wort, während ich dieses Geschehen beobachtete. Als er mich schließlich sah, freute er sich und rief: „Komm her, Onkel Mucha und wenn du kannst – dabei zeigte er mir auf einen großen Trümmer – hebe diesen hoch“. Meinen Onkel nannte man nämlich Mucha (Eiche) weil er viel Kraft hatte und kämpfen konnte. Sein echter Name war Georgiy. Mucha fuhr fort: „Ich habe mir viel Mühe gegeben, allerdings konnte ich den Brocken nicht einmal um einen Zentimeter verschieben. Er ging auf mich zu und sagte: „Im Namen Christi“. Er hob den Block hoch und legte ihn zu den anderen Trümmerteilen außerhalb der Kathedrale.“ Unsere Familie war gläubig, aber wegen des atheistischen Regimes hörte sie auf, in die Kirche zu gehen und die Fastenzeit einzuhalten. Von diesem Tag an kehrte Onkel Mucha zurück zur christlichen Lebensweise.“

         In der Zeit des Zweiten Weltkriegs gingen die armen Menschen, die lange keine Nachrichten von der Front erhalten hatten, zu Wasiko, um etwas über ihre Angehörigen zu erfahren. Vater Gabriel, damals 12 Jahre alt, antwortete allen auf ihre Fragen und predigte dabei: „Geht in die Kirche, wendet euch nicht von Christus ab und haltet eure Seelen heil“.

         Seine Worte bewahrheiteten sich immer und die Leute achteten ihn sehr. Die dankbaren Menschen kehrten allmählich zum Glauben zurück und begannen wieder in die Kirche zu gehen. Wasiko konnte die Dankbarkeit der Menschen nicht annehmen und verhielt sich manchmal sehr eigenartig um sich selbst abzuwerten. So setzte er sich am belebtesten Ort seines Stadtteils mitten auf einen Müllhaufen und sprach laut: „Wasiko, vergiss nicht, dass du Müll bist und habe keine Hochachtung vor dir selbst“.

         Die Familienmitglieder ärgerten sich über Wasiko und rügten ihn, aber die Menschen lachten ihn nicht aus und entwürdigten ihn nicht.

         Zur selben Zeit ist noch ein eindrucksvolles Ereignis im Leben von Mönch Gabriel geschehen. In der Zeit der kommunistischen Verfolgung versteckten die Menschen ihre Ikonen auf dem Dachboden oder an anderen Aufbewahrungsorten. Viele Leute verloren ihren Glauben und haben die Heiligtümer nicht mit gehörigem Respekt behandelt. Der kleine Wasiko ging auf solche Menschen zu und sagte: „Sie haben eine Ikone zu Hause (er nannte dabei den genauen Ort) liegen. Entweder erweisen Sie ihr den entsprechenden Respekt oder geben Sie sie mir, ich lasse sie bei mir. Wenn Sie diese dann wiederhaben und mit Ehrfurcht behandeln wollen, kommen Sie zu mir, ich würde sie Ihnen mit Freude zurückgeben.“ Den einen tat es leid und ließen die Ikonen bei sich. Und die anderen, die die Ikonen nicht wünschten, gaben ihm diese. Diese Tat des kleinen Jungen erstaunte allerdings alle.

         Der kleine Wasiko behandelte die Ikonen mit besonderer Liebe. In der von ihm selbst errichteten Kirche und im Turm des Frauenklosters in Samtavro bestaunen noch immer alle die Ikonen, die schön und mit viel Sorgfalt geschmückt sind. Sie verdecken die Wände und die Decke fast komplett, und das macht einen unvergesslichen Eindruck auf Besucher und Pilger.

         Das unbeschwerte Leben des kleinen Wasiko dauerte nicht lange an. Seine Mutter Barbara war eine fleißige und gewissenhafte Frau. Als junge Frau war sie sehr attraktiv und heiratete mit 14 Jahren. Aus der ersten Ehe hatte sie drei Kinder: Emma, Michail und Goderdzi (oder Wasiko). Nach der Tragödie (der ungeklärte Tod ihres Mannes Wasiliy), befand sich die 22-jährige Frau in einer hilflosen Lage. Sie hatte keine Hilfe und musste die Familie durch schwere körperliche Arbeit ernähren. Aus der zweiten Ehe ging Tochter Dschulietta hervor.

         Das erste gravierende Erlebnis traf auf Mönch Gabriel im Alter von 12 Jahren. Seine Mutter, die eigentlich nicht ungläubig war, untersagte dem kleinen Wasiko das religiöse Leben fast komplett. Anfangs, als ihr Sohn begann, nach der Religion zu streben, wunderte sie sich lediglich. Später allerdings verlangte sie, dass er sich von seiner immer religiöser ausgeprägten Lebensweise lossagt.

         „Bist du denn kein Mensch, dass du dich so quälst! Lebe doch gewöhnlich wie alle. Wenn du möchtest, sei gläubig, aber nicht so, dass du nur das Evangelium und die Religion haben willst“.

         Viele Jahre später, ein Jahr vor seinem Tod, besuchten seine alte Mutter und seine Schwestern den stark erkrankten Mönch Gabriel. Barbara sprach, mit Tränen in den Augen, zu ihm: „Was war dein Leben, Gabriel, außer Leiden und Qual? Du hattest keine Kindheit. Was wäre gewesen, wenn du auf mich gehört und dich geschont hättest? Denn auch du warst doch Mensch.“

         Als Mönch Gabriel die Tränen in den Augen seiner Mutter sah, war er besorgt. Zum einen, weil seine eigene Mutter ihn wieder nicht verstand. Zum anderen, weil es die Mutter war, die die schwere Erkrankung ihres Sohnes beobachtete, und die Tränen kamen aus der Tiefe ihres leidenden Herzens. Nach einer kurzen Pause antwortete Vater Gabriel fromm: „Ich konnte nicht anders leben.“

         Auch im Alter von 12 Jahren konnte Wasiko nicht anders leben. Als Barbara wieder auf Ablehnung ihres Sohnes stieß, warf sie das Evangelium in die Toilette. Wasiko holte es im nächsten Augenblick wieder heraus, drückte es sich an die Brust und weinte leidvoll. Nun war die Grenze überschritten, nun musste Wasiko seine Entscheidung treffen. Nach Mitternacht nahm Wasiko sein Evangelium und verließ das Haus. Es war Spätherbst. Die ganze Nacht und den ganzen Tag wanderte er. Am Abend erreichte er Mzcheta. Als erstes besuchte er das Frauenkloster in Samtavro. Die Oberin Anisja (Kotschlamasaschwili) empfing Wasiko mit Liebe. Sie gab ihm Wärme und Essen, konnte ihm aber keine Unterkunft bieten, denn in einem Frauenkloster konnte sie keinen Mann leben lassen. So bat sie ihn, nach Svetikhozveli zu gehen. Wasiko betete glühend vor der Ikone der Gottesmutter an der Pforte in Samtavro und bat sie, ihm eine Mönchszelle zu gewähren und ein Leben in dem Kloster zu ermöglichen. In Svetikhozveli blieb er drei Tage, denn laut einer Regierungsverordnung durfte man Minderjährigen keine Unterkunft bieten. Daraufhin ging er ins Kloster Schio-Mgwime, wo er ebenfalls drei Tage lang bleiben durfte und mit etwas Essen zum Zedazenskiy Kloster geschickt wurde. Zu jener Zeit arbeiteten dort einige ehrwürdige Mönche. Sie verspürten so viel Liebe gegenüber dem jungen Gläubigen, dass sie eine Geheimunterkunft neben dem Kloster für ihn errichteten und ihn dort einige Wochen wohnen ließen. Wegen der strengen Kontrolle durch Gesetzesvollstrecker waren die Mönche dennoch gezwungen das Kind, das brennend Gottesdiener werden wollte, ins Betania-Kloster zu schicken. Sie erklärten Wasiko detailliert den Weg und gaben ihm Essen mit. In Betania traf er auf zwei Mönche: den ehrwürdigen Vater Georgiy (Mkheidze) und den ehrwürdigen Vater Ioann (Majsuradze). Die Mönche von Betania wurden Mönch Gabriels Lieblingslehrer. Details aus Wasikos Leben und sein genauer Aufenthaltsort nach seiner Abreise vom Betania-Kloster sind unbekannt. Für eine kurze Zeit nahm ihn eine gute Frau Namens Margo auf. Sie war eine bekannte Wahrsagerin in Tiflis. Der kleine Wasiko machte sich Sorgen, dass sich ein solch guter Mensch irrt und eine solch große Sünde in ihrem Leben begeht. Eines Tages wurde Margo krank und Wasiko beruhigte sie: „Ich werde an deiner Stelle die Menschen empfangen“. In der Tat predigte das fromme Kind den Menschen, die für eine Wahrsagerei kamen, über Christus. Er überzeugte sie, dass es notwendig ist, ein christliches Leben zu führen. Da Wasiko von Gott die Gabe der Hellsichtigkeit erhalten hatte, redete er mit den Besuchern der Wahrsagerin über die Gefahren, die sie erwarteten sowie über ihre Sünden, die sie vergessen hatten. Er riet ihnen an, bei einem Priester die Beichte abzulegen und das Heilige Abendmahl zu empfangen. Die Besucher waren über das Auftreten des Kindes erstaunt und benebelt. Mit Wasikos Hilfe gab Margo die Wahrsagerei auf und fing an, ein christliches Leben zu führen, was in Tiflis zu großem Gemunkel führte. Die Mutter von Wasiko suchte ihn in der Zeit unermüdlich. Schließlich erfuhr sie über seinen Aufenthaltsort.

         „Kehre bloß zurück nach Hause, lasse es so sein, wie du es möchtest. Ich werde nichts mehr gegen deine Wahl haben“. – sagte die Mutter, erfreut, dass sie ihren Sohn fand.

         Wasiko kehrte heim. Danach war Barbara nie mehr streng ihrem Sohn gegenüber, obwohl sie von Zeit zu Zeit versuchte, ihn zu einem normalen Leben zu überreden, nicht nur seinen Glauben betreffend. Wasiko besuchte einmal im Monat das Kloster Betania, wo er den ehrwürdigen Mönchen bei ihren Arbeiten half.

         Der 16-jährige Junge pilgerte zu Fuß zum Martkopi-Kloster. Hier traf er auf den würdigen Vater Ajtala. Später erinnerte sich Vater Gabriel mit viel Achtung an ihn: „Ein großartiger Mönch, ein Mönch, der die Gabe des Hellsehens hatte“.

         Zu dieser Periode seines Lebens gibt es noch eine weitere Geschichte: Anstelle des Alten Friedhofs von Wera, auf welchem die gefallenen Soldaten des georgischen Unabhängigkeitskriegs begraben lagen. Das Territorium des Friedhofs wurde mit einer Planierraupe geebnet. Als Konsequenz dieser barbarischen Handlung landeten die Knochen der Verstorbenen auf der Erdoberfläche. Den jungen Wasiko traf es zutiefst. Deshalb sammelte er die Knochen heimlich in der Nacht in einem Sack und beerdigte sie erneut.

Im Jahr 1949 wurde Wasiko in die Sowjetische Armee einberufen. Den Militärdienst leistete er bei den Grenztruppen in Batumi. Trotz des strengen Regimes schaffte es Wasiko, die Fastenzeiten einzuhalten. Heimlich besuchte er sogar die zu der Zeit aktive Kirche des Heiligen Nikolaus und empfing dort das Heilige Abendmahl. Nach Vollendung des obligatorischen Militärdienstes kehrte Wasiko nach Hause. Er wurde in die Gesundheitsvorsorgestelle einberufen und verhört, sogar seine kindliche Vision eines bösen Geistes wurde thematisiert. Nach einigen Tagen erhielt Wasiko ein Dokument, in dem er als psychisch krank erklärt wurde. Jegliche amtliche Tätigkeit wurde ihm hiermit verboten. Er erhielt eine Behindertenrente der Stufe II, was selbstverständlich ein grober Verstoß gegen die Rechte war, denn nach dem Sowjetgesetz durfte eine solche Person nicht in die Armee einberufen werden. All das wurde seitens des sowjetischen KGBs (bzw. MGB, das Ministerium für Staatssicherheit) und der Anführer der Parteiideologie initiiert, damit ein Mensch mit solchen Ansichten im Fall seiner möglichen Karriere keine Gefahr für das kommunistische System darstellt. Von nun an lebte Wasiko seine spirituelle Lebensweise noch intensiver aus. Im Hof des Hauses baute er eine kleine Wohnstätte für sich selbst. Hier, allein und in Stille fing er seine Tätigkeit an. Er besuchte die Gottesdienste und Gebete in der Sioni-Kathedrale. Bald wurde Melkhizedek III, des Heiligsten und Seligsten Katholikos-Patriarchen von Ganz Georgien, auf ihn aufmerksam. Nach der Segnung durch den Patriarchen begann Wasiko als Wächter zu arbeiten, danach als Psalmenleser in der Sioni-Kathedrale. Im Januar 1955 wurde zum als Diakon geweiht. Am 23. Februar wurde ihm im Kutaissi-Motsameta-Kloster (Märtyrerkloster) die Mönchsweihe erteilt. Auf seinen Wunsch wurde er nun Gabriel genannt. Nach drei Tagen hat ihn der Bischof Gabriel (Tschatschanidze) von Kutaissi und Gaenati in der Kathedrale der Heiligen Peter und Paul zum Hieromonachos (Priestermönch) ernannt. Seit dem Tag der Mönchsweihe setzte sich Mönch Gabriel mit einer außerordentlichen Liebe für den Willen Gottes und für seinen Nächsten ein. Nach der Segnung durch Melkhizedek III war er zunächst in Sioni im Dienst, ab dem Jahr 1960 im Betania-Kloster mit seinem liebsten geistigen Führer Georgiy (Mkheidze) und dem Hieromonachos Wasiliy (Pirzhalawa).

Ende des Jahres 1962 nach dem Tod des Vaters Ioann (Majsuradze), des Hieromonachos Wasiliy (Pirzhalawa) und des Vaters Georgiy (Mkheidze) schloss die Regierung das Betania-Kloster. Mönch Gabriel kehrte nach Tiflis zurück, wo er in seiner Hofanlage eine kleine siebenkuppelige Kirche alleine errichtete.

In den Jahren 1962-1965 leitete der Mönch Gabriel Gottesdienst in der Kathedrale der Heiligen Dreieinigkeit, wo er eine kleine Gemeinde vereinte.

Die moderne Generation wird wohl nur schwer begreifen können, wie viel Mut der junge Mönch Gabriel bewies, indem er einen erschütternden und beispiellosen Schritt gegen das schreckliche kommunistische System beging. Am 1. Mai 1965 verbrannte er ein großes Lenin-Portrait auf einer Demonstration vor dem Ministeriumsrat. Tapfer predigte er vor den erschrockenen Menschen:

         „Ich habe das gemacht, weil man einen Menschen nicht vergöttern darf. Anstelle des Portraits von Lenin soll da die Kreuzung Christi hängen. Warum schreibt Ihr „Ruhm für Lenin“? Diesen Ruhm braucht ein Mensch nicht. Da muss stehen: “Ruhm dem Gott Jesus Christus, der den Tod besiegt und uns das ewige Leben geschenkt hatte“.“

         Die erzürnte Menschenmasse verprügelte den Mönch Gabriel erbarmungslos. In der Stadt wurde ein Alarm der Stufe 1 ausgerufen. Der Mönch wurde allein durch die Intervention des bekannten 8. Regiments vor dem Tod gerettet. Halbtot, mit einem Kieferbruch und noch 17 Knochenbrüchen am ganzen Körper wurde Mönch Gabriel in eine Isolationszelle des KGB gebracht. Er wurde unumgänglich zum Tod durch Erschießen verurteilt, die Ermittlungen waren rein formell. Aber die Anführer des kommunistischen Regimes hatten ein besonderes Interesse. Sie forderten nämlich vom Mönch das Geständnis, dass er damit einen Auftrag der Kirche ausgeführt hatte. Dafür hätten sie ihn am Leben gelassen. Trotz der dauernden Folterungen war Mönch Gabriel unbeugsam. Ganz im Gegenteil: Er nannte Lenin bei einem neuen Verhör ein Tier, weswegen er wieder verprügelt wurde. Die Sache wurde in den ausländischen Medien bekannt. Europäische und amerikanische Magazine und Zeitungen berichteten über diesen sensationellen und unglaublichen Vorfall. Eine solche Entwicklung der Situation führte auch zu Änderungen in der Kremlpolitik. Statt der Vollstreckung des Todesurteils sollte Mönch Gabriel nun als psychisch kranker Mensch in eine psychoneurologische Anstalt eingewiesen werden. Die sowjetische Regierung hatte vor, Vater Gabriel für immer in der Klinik zu isolieren, aber der allmächtige Gott rettete das Leben seines treuen Dieners nicht dafür. Besonders interessant ist der folgende Auszug aus dem medizinischen Gutachten:





„Die Georgische SSR

Die städtische psychoneurologische Anstalt für Gesundheitsbewachung Stadt Tiflis 19/1 – 1966 Tiflis, Elektrona-Gasse 1

# 666

Der Patient: Urgebadze, Georgiy Wasiliewitsch, geb. 1929. Ausbildung: 6 Schulklassen, Anschrift; Tetrizkaroyskaya str. 11. Stationiert in der psychoneurologischen Anstalt 18. VIII. 1965. Zur Zwangsbehandlung aus dem Gefängnis überführt.

Diagnose: psychopatische Persönlichkeit, neigt zu psychotischen Schizophrenie- artigen Zusammenbrüchen. Entlassen: 19/XI – Jahr 65. Laut der Anamnese, sah der Patient mit 12 Jahren einen bösen Geist mit den Hörnern auf dem Kopf... Der Erkrankte behauptet, dass all das Schlechte, das im Land und auf der Welt passiert, die Schuld dieses bösen Geistes sei. Mit zwölf Jahren habe er angefangen in die Kirche zu gehen, betete, kaufte Ikonen, lernte die Kirchenschreibweise... Im Jahr 1949 wurde er zum Militärdienst einberufen. Selbst dort verbrachte er die freie Zeit in der Kirche. Am Mittwoch und Freitag hat er nichts gegessen. Die Vorgesetzten und Soldaten haben sich seine Wahnideen angehört: „Am Mittwoch hat Judas den Christus für 30 Silberstücke verkauft. Und am Freitag haben die jüdischen Bischöfe den Christus gekreuzigt“. Der Patient hatte unaufhörliche Halluzinationen. Wie aus dem Vorfall hervorgeht, hat er am 1. Mai 1965, am Tag der Demonstration, ein großes Portrait von Lenin verbrannt, das am Gebäude des Ministeriumsrats gehangen hatte. Nach dem Verhör behauptete er, dass er es deshalb gemacht habe, weil an der Stelle ein Bild der Kreuzung von Christus hängen müsse und dass man keinen irdischen Menschen vergöttern dürfe. Da zweifelte man zum ersten Mal seine psychische Gesundheit an und er wurde zu einer Gerichtspsychopathischen Begutachtung geschickt.

Die Untersuchung stellte fest, dass der Erkrankte eine gestörte räumliche, außenweltliche und zeitliche Orientierung aufweist. Er brummt halblaut vor sich hin; glaubt an die Existenz des Himmels, des Gottes, der Engel und so weiter. Im Gespräch ist seine Hauptthese, dass alles nach dem Willen Gottes geschehe usw. Er ist in einer Isolationskammer, getrennt von den anderen Verrückten, untergebracht. Spricht ihn jemand an, so beginnt er, mit diesem über den Gott, die Engel, die Ikonen usw. zu sprechen. Absolut kritiklos nimmt er seinen eigenen Zustand wahr. Es wurde eine Aminasinophrasie (Therapie durch Chlorpromazin) und symptomatische Therapie durchgeführt, und der Patient wurde durch ein Gremium untersucht.

Stationäre Akte #42, 1965

Vorsitzender des Gremiums: Kandidat der medizinischen Wissenschaften/Oberarzt T. Abramischwili Mitglieder: Dzh. Schalamberidze und Arzt Kropow.

Entlassen am 19/XI-Jahr 65. Durch die Mutter nach Hause begleitet

Arzt Lezhawa 19/I-1966.“







         Eine solch negative Begutachtung seitens der Psychiater ist ein Beweis der Gottesliebe und des Auserwähltseins von Vater Gabriel. Erstaunlich ist, dass die sowjetische Regierung in dem medizinischen Gutachten die tugendvolle Lebensweise des Mönchs beschreibt, womit sich die parteilichen Anführer offenbar anfreunden konnten. Wenn der Wille Gottes in unserem Leben erscheint, können viele Wunder passieren.

         Nach 7 Monaten der Inhaftierung wurde Vater Gabriel entlassen, wozu der geschätzte Akademiker Awlip Zurabaschwili auch einen Beitrag geleistet hatte. Nach dreißig Jahren als der Mönch Gabriel bereits im Samtavro-Kloster diente, besuchte ihn ein Mitglied der Bruderschaft des heiligen Herrmann von Alaska (eins der bekanntesten orthodoxen Mönchsorden in den USA). Er hieß Gerasim und war ein Hieromonachos, später publizierte er ein Buch auf Englisch: „Der Bekenner Christi im heutigen Georgien“ Das Buch endet mit den folgenden Worten: „Vater Gabriel segnete uns. Wir haben uns verabschiedet. Wir kehrten zurück und verspürten, dass wir einen Triumph der Kirche des Neuen Testaments in der heutigen Zeit miterlebt hatten.“

         Obwohl der Vater Gabriel den Stand des Priesters beibehielt, wurde ihm untersagt, Gottesdienste in der Kirche zu leiten. Wegen dieser Maßnahme nahm er als Mitglied der Gemeinde an den Gottesdiensten, Kirchengebeten und Abendmahlen teil. Oft wurde er zum KGB bestellt. Immer wieder wurde er dort verprügelt – einmal war er so verletzt, dass er nicht gehen konnte. Die Familienmitglieder wurden daraufhin informiert und aufgefordert, ihn nach Hause zu bringen.

         Zu jenem Zeitpunkt beginnt Vater Gabriel ein für ihn sehr schmerzhaftes Leben zu führen. Er musste sich vor den Menschen wie ein psychisch kranker Mensch verhalten. Sichtlich musste er auf seine gewöhnliche Lebensweise verzichten. Anstatt zu schweigen predigte er nun laut auf den Straßen. Während er sich bis jetzt nicht erlaubte, Wein zu trinken, musste er nun öffentlich vor allen Menschen trinken und gab sich für einen Säufer aus. Vernarrtheit in Christo ist eine große Tugend. Sich wie ein Verrückter vor den Menschen zu verhalten forderte viel Heroismus, Geistige Kraft und göttliches Gespür. „Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.“ (1. Korinther 1:25).

         Erstaunlich ist die Selbsterniedrigung des Mönchs Gabriel. Seine ältere Schwester Frau Emma berichtet:

         „Nein. wir hätten ihn nicht verstehen können. Von Kindheit an war seine Seele fragil. Als er Priester (Hieromonachos) wurde, haben die Menschen ihm viel Respekt entgegengebracht. Als Gabriel heimkam, weinte er oft trostlos in seiner Kirche. Einmal sah ich die Tür zu seiner Kirche offen stehen. Ich habe Weinen gehört. Besorgt bin ich reingegangen und habe ihn gefragt: „Wasiko, mein Bruder, warum weinst du so? Ist bei dir etwas Schlechtes passiert?“ „Meine Schwester, Christus ist in einer Futterkrippe geboren. Und die Menschen zeigen mir Respekt und küssen mir die Hände“.“

        Trotz der außerordentlichen Frömmigkeit des Vaters Gabriel behandelten ihn viele geistliche und weltliche Menschen mit sehr viel Achtung und Ehrerbietung. Denn offensichtlich hatte er von Gott den Segen der Liebe, Güte, Weisheit, des Hellsehens und der Beherrschung von Zeit, Raum und Materie erhalten. Vier Jahre nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie und dem Gefängnis fuhr Mönchs Gabriel damit fort, mutige Taten zu vollbringen. Damit konnte sich die kommunistische Regierung natürlich nicht anfreunden. Sie beschloss, seine Kirche – als Zeichen der Macht des roten, blutrünstigen Regimes auf den Mönchen Gabriel - zu zerstören. Erstaunlicherweise baute der Mönch die zerstörte Kirche selbst erneut auf. Daraufhin suchten ihn der Milizchef und später der Sekretär des Rayonkomitees heimlich auf, um sich bei ihm zu entschuldigen. Vater Gabriel restaurierte die zerstörte Kirche zwar rasch, jedoch errichtete er nun anstatt der sieben nur noch eine einzige große Kuppel. Heute noch ist diese wunderschöne Kirche, die er selbst gebaut hat, in demselben Zustand zu sehen. Im Jahr 1971 wurde Mönch Gabriel mit der Segnung des Katholikos-Patriarchen Ephräm II und des Metropolits Elijas (damals war Seine Heiligkeit Oberhaupt des Priesterseminars; heute der Katholikos-Patriarch von ganz Georgien) zum Klostervorsteher des Frauenklosters in Samtavro und des Priesterseminars ernannt. Zur Unterkunft wurde ihm ein Turm im Samtavro-Kloster bereitgestellt. Mit einer herzlichen Freude sagte der Vater Gabriel: „Durch die Gnade Gottes und der Heiligen Gottesmutter, und mit dem Segen von zwei Patriarchen habe ich diese Zelle erhalten.“

In den Jahren 1972-1990 vor seiner endgültigen Niederlassung in Samtavro, war das Pilgern zu Kirchen und Klostern, die durch das kommunistische Regime zerstört, verlassen und geschlossen wurden, eine weitere besondere Tugend von Vater Gabriel. War die Pilgerreise mit weiten Entfernungen, schwierigen geographischen Gegebenheiten oder Gefahren verbunden, unternahm Vater Gabriel die Reise immer alleine. Sonst nahm er immer ein paar Anhänger mit, die ihn beim Gottesdienst unterstützen. Vater Gabriel sagte: „Glaubt mir, wir bellen hier nicht den Mond an! In der Tat sind heute viele Kirchen und Kloster zerstört oder geschlossen, aber der Heilige Engel, den Christus hierhergeschickt hat, hört unsere Gebete und sieht unsere Mühe. Er freut sich, Gott unsere Bitten zu übermitteln und teilt unseren Kummer. Siehst du, in welcher Lage wir jetzt sind? Mit Plastiktüten auf dem Kopf, im Schnee und Dreck müssen wir Gottesdienst leiten. Aber wir werden es sehen, dass diese Kirchen und Kloster wieder errichtet werden, hier wird wieder Dienst Gottes stattfinden!“ – Zu den Zeiten war das nicht denkbar.

Ab dem Jahr 1987 lebte Vater Gabriel in Samtavro im sog. Kaklovani – einem sehr kleinen Haus aus Holzbrettern. Dieses Häuschen hatte das Kloster früher als Hühnerstall verwendet, es hatte leer und nutzlos dagestanden. In dieser Zeit verließ Vater Gabriel das Kloster für höchstens drei oder sieben Tage und kam dann zurück in das Holzhäuschen. Diese Lebensweise verwirklichte seine Tugenden, die Frömmigkeit und Askese. Die Frömmigkeit, weil es schwer vorstellbar ist, dass sich ein Mensch so weit erniedrigen kann. Und die wahre mönchische die Askese, weil er in so einem kleinen Raum wohnte, wo man sich nicht einmal aufrichten konnte und ohne jegliche Heizung die Mzсheter Winterkälte ertrug (und das bei 2-3cm-breiten Spalten!).

In dieser Periode lebte der Mönch Gabriel meist in diesem Häuschen und hielt sich sehr selten in der Mönchszelle seines Turms auf. Eines Tages erschien ihm ein Engel Gottes, der ihm über einen Teil des Kreuzes Svetihotsveli (Heiliges Kreuz) berichtete und die genaue Stelle nannte, wo dieses Heiligtum zu finden war. Der Mönch Gabriel und die Schwestern des Klosters brachten nun das Sakrament aus dem Geheimort heraus. Im Jahr 1990 ging der Mönch Gabriel ins Kloster Shiomghvime weil er alleine leben wollte. Hier hatte er eine Vision: Gott gebot ihm, nach Samtavro zurückzugehen und dort den Menschen zu dienen. Von da an lebte Mönch Gabriel wieder im Turmzimmer des Samtavro Klosters und blieb bis zu seinem Tod dort. Dem Gebot Gottes folgend lebte und wirkte er selbstlos für die Menschen, seine Nächsten. Im Oktober-November 1991 verschlechterte sich die politische Situation in Georgien, aber nur der Mönch Gabriel litt bereits vorher mit: „Blut auf der Rustaveli-Avenue! Blut! Blut von Georgiern!“

Als auf der Rustaveli-Avenue Georgier einander erschossen, läutete der Mönch Gabriel die Kirchenglocken und stöhnte traurig. In dieser Zeit fastete er noch strenger und verzichtete fast völlig auf die Nahrung. Es ist schwer zu erzählen, mit wie vielen Tränen und mit welch lautem Weinen Mönch Gabriel den Allmächtigen Gott und die Heilige Mutter Gottes für Georgien anbetete. Er trennte die Menschen nicht. Mönch Gabriel erlebte das Elend und die Freude all der Menschen, die zu ihm kamen. Viele Menschen rettete er vor der spirituellen Finsternis und führte sie mithilfe der göttlichen Gabe der Hellsichtigkeit auf den rechten Weg.

Mönch Gabriel versteckte seine wundersamen Kräfte fast komplett. Aber im Einzelfall, als es um die Religion und die Basis des Christentums ging, nämlich um das christliche Dogma des Dreieinigen Gottes, der Heiligen Dreieinigkeit, offenbarte er die Gabe, die ihm Gott gegeben hatte, um die Wahrheit Gottes zu belegen. Eines Tages kam ein Georgier zu ihm. Er war langjähriger Anhänger des Hinduismus und schon öfters für längere Zeit nach Indien gereist, wo er einen eigenen Lehrer hatte. Der Vater Gabriel nahm ein Brot und kreuzte es im Namen der Heiligen Dreieinigkeit. Anstelle des Brotes erschienen plötzlich Wasser, Weizen und Feuer.

„Schaut gut her, mein Nächster! So wie die Heilige Dreieinigkeit in den drei Antlitzen in drei geteilt wird: Vater, Sohn und der heilige Geist.“ Danach kreuzte er das Brot wieder im Namen der heiligen Dreieinigkeit. Das Wasser, der Weizen und das Feuer wurden wieder zu Brot. „So wie dieses Brot unzerlegbar ist, ist auch die Heilige Dreiheit untrennbar.“

Eines Tages besuchte Archimandrit Joseph (vom Kloster Xeropotamou beim Berg Athos) zusammen mit seinen Mönchen das Land Georgien. Unter Anderem sahen sie sich Samtavro an und bekamen eine Segnung von Vater Gabriel. Mönch Gabriel wurde plötzlich zornig auf Vater Joseph: „Wie wagst du über die Mutter Gottes zu denken, Sie könnte Georgien verlassen haben! Wir existieren nur durch Ihre Gebete und Ihren Segen – das siehst du nicht und wertest Ihre Großtaten ab!“ Als Vater Joseph das gehört hat, kniete er und bat um Verzeihung. Vater Gabriel umarmte den griechischen Gast und lud ihn zu Tisch ein. Später stellte sich heraus, dass vor dem Besuch von Samtavro die griechischen Väter zuerst in Svetikhozveli gewesen waren. Die damals schwere politische und ökonomische Lage von Georgien und der Spiritualitätszustand des Volkes, das erst vom Atheismus befreit worden war, führten dazu, dass der geehrte Archimandrit beim Pilgern in Svetikhozveli gedacht hatte: „Heilige Gottesmutter, Du hast Georgien verlassen“. Beim Abschied schlugen die begeisterten Mönche dem Mönch Gabriel vor, mit nach Athos zu kommen. Daraufhin antwortete er: „Hier wo ich bin ist mein Athos. Ich werde Georgien nicht gegen Athos tauschen“.

In etwa derselben Zeit kam aus den USA der Hieromonachos Gerasim, extra um den Mönch Gabriel zu treffen. Er war ein Priestermönch im Kloster von Platina, Kalifornien. Nach seiner Rückkehr in die Heimat schrieb Vater Gerasim zusammen mit seiner Bruderschaft einen Artikel in einer orthodoxen Zeitschrift. Sie schrieben: „In Georgien weiß man nicht einmal, was für ein großer Mönch in einem ihrer Kloster lebt“. Mönch Gabriel erkrankte in den letzten Jahren seines Lebens an Gewebewassersucht. Hinzu kam auch noch ein Beinbruch. Ab dem Zeitpunkt und bis zu seinem Tod, der 1,5 Jahre später geschah, lag Mönch Gabriel im Bett und konnte nicht laufen. Sehr selten stand er mit viel Mühe trotz der schweren Schmerzen auf und setzte sich neben der Kirche. „Euer Leben ist mein Leben. Wenn man sich selbst nicht für seinen Nächsten opfert, kann es nichts werden.“ – sagte er.

Unvergesslich war die gesegnete Gastfreundschaft des Vaters Gabriel. Vor dem Beinbruch bot er allen selbst gekochtes Essen an. Und wenn er nicht konnte, bat er Schwester Paraskewa oder jemand anderen, Gäste zu bedienen. Mit Liebe bewirtete er all seine Gäste. Er bemühte sich stets, einen Menschen so nah wie möglich zu Gott zu führen. Seine Worte, die besondere Kraft und viel Segen in sich trugen, drangen in jedes Herz ein. Seine Predigten, die fast immer sehr tränenreich verliefen, konnten nie fruchtlos sein. Jahrelang predigte Vater Gabriel den Menschen, die zu ihm kamen, über die Liebe zu Gott, zu den Nächsten; über Reue, Sanftmut und Güte. Im letzten Jahr seines Lebens fing er plötzlich an über die Endzeit zu predigen. Er sagte den Besuchern, dass sie in der Epoche der letzten Tage lebten. „Ihr werdet noch den Antichrist erleben, wenn Vertreibung und Verfolgung beginnen werden. Dann werdet ihr auf die Berge gehen müssen. Habt keine Angst! So wie den Israeliten in der Wüste nichts gefehlt hat haben als sie von der Herrschaft des Pharaos in Ägypten befreit worden waren, so wird auch euch Gott schonen die Ihr um die Freiheit in Christus in die Berge fliehen werdet. Denn ihr werdet auch der Herrschaft von Ägypten (der heutigen Welt) und des Pharaos (des Antichristen) entkommen. Begreift das, denn diese Heldentat wird Euch in das gelobte Land bringen und Ihr werdet strahlen wie die Sonne.“

In seinen letzten Tagen predigte der Mönch Gabriel nur noch über die Liebe und sagte allen Besuchern mit Tränen in seinen Augen: „Erinnert Euch, dass Gott die Liebe ist. Tut so viel Gutes wie Ihr könnt, damit Euch Eure Güte rettet. Seid fromm, denn Gott segnet die Frommen. Bereut Eure Sünden und bittet um Vergebung eurer Sünden, denn „morgen“ ist die Falle Satans. Liebt Euch, denn ohne Liebe kann ein Mensch das Paradies nicht betreten.“ Am Tag vor seinem Tod sagte Mönch Gabriel: „Nun ist die Zeit gekommen, dass ich diese Welt verlasse“. Danach streichelte er mit der rechten Hand die Ikone von Gott, die neben seinem Kopf hing, schwieg eine kurze Zeit und sagte: „Seit ich 12 war folge ich Dir, mein Herr. Ich bin bereit. Empfange mich“. Die ganze Nacht, bis um vier Uhr nächsten Tages lag er da mit schlimmsten Schmerzen. Plötzlich fing er an, schwer und laut zu atmen und schrie: „Mütterchen, Mütterchen! Schwester, Schwester!“ Das ganze Kloster versammelte sich: Seine Familienmitglieder, die Besucher, Freunde, der Arzt, die Priester und Schwestern. Vater Gabriel schaute die ganze Zeit liebevoll zur Ikone des heiligen Nikolaus hinauf. Bischof Daniel las die Gebete für den Abschied der Seele. Als er das Gebet beendete, fuhr Vater Gabriels Seele aus seinem Körper aus. Dies geschah am 2. November 1995.Der Leichnam wurde, seinem letzten Willen folgend, nach einer alten Mönchstradition ohne Sarg, nur in Sackleinen gehüllt und im Hof des Samtavro Klosters beerdigt. Bei der Beerdigung war er von den Menschen umgeben, die ihn liebgehabt hatten. Niemand konnte Erde auf seinen Leichnam werfen, deshalb warfen die Menschen Erde an die Grabseite. Die Erde bewegte sich von selbst, umarmte ihn und bedeckte ihn komplett. Auf dem Grab sind die letzten Worte seines letzten Willens geschrieben:


„Die Wahrheit ist die Unsterblichkeit des Geistes“ - Mönch Gabriel



        Noch heute geschehen viele wunderbare Heilungen am Grab von Vater Gabriel. In vielen Ländern sind Bücher in verschiedenen Sprachen über die Lehre, das Leben, die Tätigkeit und die wundertätigen Heilungen von Mönch Gabriel herausgegeben worden.






Am Grab von Mönch Gabriel






   Herzlichen Dank an Daniel Keller für die Übersetzung
Adopted from the book: “TRUTH IS IN THE IMMORTALITY OF THE SPIRIT”
Archimandrite Kyrion (Oniani)
2010, Tbilisi